Wenn man Stift, ein Ortsteil der Gemeinde Altenholz, besucht und das Herrenhaus erblickt, dann kann man sich fragen (wie ich):

Gut oder nicht Gut(shof)?

Johannes von Schröder. Topographie des Herzogthums Schleswig. Deutschland, Fränckel, 1854, S.511

Stift war anfangs nur eine Koppel, die Stüffkoppel, aus der sich der Ortsname ableitete. Die Bedeutung des Begriffes Stüff ist unsicher:
Im Niederdeutschen war stüff in der Bedeutung stumpf, ohne Spitze, verstümmelt, kurz oder knapp verbreitet (Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1932), Bd. X,IV (1942), Sp. 291, Z. 39; siehe dort auch andere mögliche Bedeutungen). Vielleicht wurden Bäume auf der Koppel gestüft im Sinne von „stutzten, auslichten“.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg baute man den Meierhof des Bauerndorfes Holtenau nicht wieder auf, sondern errichtete ein Meierhof auf die Stüffkoppel in der heutigen Stifter Gegend.
Im Jahre 1685 hieß der Meierhof in den Urkunden „neuer Meierhof bei Holtenau“, der Name „Stift“ wurde urkundlich erwähnt im Jahre 1686.
Der Meierhof Stift war ein Teil des adeligen Gutes Seekamp.

1791 wurde das Gut Seekamp in Parzellen unterteilt und von dem damaligen Gutsherrn Otto Diderich Graf von Schack zu Schackenburg verkauft.
Er behielt die Ländereien des Meierhofs Stift und ließ dort das heute noch am Ende der Stifter Allee existierende Amts- und Wohnhaus bauen.

Amts- und Wohnhaus in Altenholz-Stift

Somit wurde Stift zum Stammhof des Grafen und damit zu einem Gut, wenn es auch meines Wissens nicht zu den adligen Gütern zählt.

Dennoch war das Gut Stift nicht nur ein landwirtschaftliches Anwesen, sondern auch ein herrschaftlicher Besitz und damit ein Verwaltungsbezirk.

Kate in der Stifter Allee

Nach der Parzellierung wurde Seekamp zu einem Parzellenhof ohne Privilegien herabgestuft, aber der Gutsbezirk Seekamp als Verwaltungseinheit blieb bis 1876 weiter bestehen.

Der Gutsbezirk Stift mit dem Gutsbesitzer als „Obrigkeit der untersten Verwaltungsebene“ blieb bis 1928 bestehen.
Die Rechte gingen ohne neue Verleihung auf jeden neuen Besitzer des Gutes über.


In den Jahren 1905/06 verkaufte Graf Otto Dietrich Schack das Gut Stift an den Bauunternehmer Klaus Friedrich Fahrenkrug, der 1907 das heute noch stehende Kuhhaus (jetzt ein Alten- und Pflegeheim) erbaute.

Auch die Marine kaufte Grundstücke des Gutes, u. a. begann 1908 der Bau der Schießanlage in Altenholz.

1915 erwarb der Großschlachter und Viehhändler Richard Georg Danielsen das Gut Stift von Fahrenkrug. Er ließ das Herrenhaus Stift 1919/20 errichten.
Es handelt es sich um einen „repräsentativen zweigeschossigen, neunachsigen Bau mit geschossübergreifender Pilastergliederung unter steilem Mansardenwalmdach„.

Kornspeicher und Jungviehstall mit dem Uhrturm und rechts der Kuhstall in Altenholz-Stift

1924 ließ er auch der Kornspeicher und Jungviehstall mit dem Uhrturm (heute u. a. ein Restaurant) bauen, entworfen von den Kieler Architekten Ernst Prinz.

Balkeninschrift mit einem Hausspruch des im Jahr 2015 renovierten/restaurierten ehemaligen Jungviehstalles und Kornspeichers (erbaut 1924) des Guts Stift in Altenholz-Stif, Schleswig-Holstein.

1928 wurden alle Gutsbezirke aufgelöst und die Güter Stift und Knoop sowie Ländereien der Gutsbezirke von Projensdorf und Kaltenhof dem Gemeindegebiet von Klausdorf zugewiesen (1933 umbenannt in Altenholz, um eine Verwechslung mit Klausdorf (Schwentine) zu vermeiden).

Blick aif die Fundamentreste des Bombenlager Barkmissen an der betonierte Ringstrasse im Wald bei Altenholz-Stift.



Nach einigen neue Eigentümern zog in den 1930er Jahren die SA-Schule Nordmark in das Herrenhaus und nützte es als sogenanntes Kameradschaftshaus.
Im Stifter Wald hatte die Wehrmacht das Munitionslager Barkmissen für den Fliegerhorst Holtenau angelegt.

Im Zweiten Weltkrieg zerstörten zweimal Luftminen das Dach des Herrenhauses und in der Umgebung gab es insgesamt 27 Bombentrichter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diene das Herrenhaus als Offiziersmesse der britischen Besatzungsmacht. 1958 wurde in Kiel ein Hauptquartier der Nato eingerichtet, deren Kommandeur auf Gut Stift wohnte.

Bis 1997 war das Land Schleswig-Holstein Eigentümerin des mit dem Herrenhaus unbebauten Grundstücks, das die Universität Kiel nutzte. Danach folgten neue Eigentümer.

Das Herrenhaus und der dazugehörige Park und Teich steht seit 1994 unter Denkmalschutz:

ObjektNr. Adresse / Lage Nähere Angaben
Altenholz
Sachgesamtheiten
37497 Gut Stift Bezeichnung: Gut Stift
Beschreibung: Gut Altenholz-Stift, ehem. Meierhof des Gutes Seekamp, auf Anlage des 18. u. 19. Jhs. zurückgehend; Wohnhaus 1919/20 mit Landhausgarten, Vorplatz mit Teich u. Eichen, Freitreppe und rückwärtige Terrasse 
Begründung: geschichtlich, wissenschaftlich, künstlerisch, städtebaulich, Kulturlandschaft prägend
Schutzumfang: Gutshaus, Landhausgarten, Eichensolitäre, Terrassenanlage mit Postamenten, Blumenvasen, Putten und Freitreppen, Vorplatz, Teich am Vorplatz, Freitreppe am Vorplatz
Bauliche Anlagen    
8084 Gut Stift Bezeichnung: Gut Stift: Gutshaus
    Beschreibung: Alteintragung (Aktualisierung vorgesehen) 
    Begründung: geschichtlich, wissenschaftlich, künstlerisch, städtebaulich, Kulturlandschaft prägend 
    Schutzumfang: Alteintragung (Aktualisierung vorgesehen) 
    Denkmaltyp: Bauliche Anlage, Sachgesamtheit: Gut Stift
Gründenkmale      
10110 Gut Stift Bezeichnung: Gut Stift: Landhausgarten 
    Beschreibung: Landhausgarten, um 1920 im Zusammenhang mit Gutshaus angelegt, auf Vorgängeranlage des 18. u. 19. Jhs. zurückgehend; rückwärtige Gartenfläche mit Rhododendren, Vorplatz, Teich, Freitreppe, Eichensolitäre und Terrasse
    Begründung: geschichtlich, künstlerisch, städtebaulich, Kulturlandschaft prägend 
    Schutzumfang: Gut Stift: Landhausgarten, Eichensolitäre, Vorplatz mit Teich und Freitreppe, Terrassenanlage mit Postamenten, Blumenvasen, Putten und Freitreppen 
    Denkmaltyp: Gründenkmal, Sachgesamtheit: Gut Stift
Quelle: Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein: Denkmalliste Rendsburg-Eckernförde (pdf), Stand: 03.01.2022

Quellen und weitere Informationen

Johannes von Schröder: Topographie des Herzogthums Schleswig. Oldenburg (in Holstein), 1854
Holtenauer Geschichte: Meierhof Stift 
Holtenauer Geschichte: Gut Stift 
→ Holtenauer Geschichte: Munitionslager Barkmissen
→ Die Plöhns: Herrenhaus Stift 
→ Bunker-Kiel: Bombenlager Barkmissen 
→ Gemeinde Altenholz: Geschichte
Heiko K. L. Schulze: „Reichseigenes Schuhwerk ist dem Verurteilten vorher auszuziehen …“ Die Schießanlage in Altenholz bei Kiel als Hinrichtungsstätte  
Denkmalliste Rendsburg-Eckernförde

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Zum Beitrag

Gut Stift

Gut Stift in Altenholz-Stift, Schleswig-Holstein – Fotos und Geschichte / Manor in Altenhof-Stift, Schleswig-Holstein – photos and history

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