Porträtfotografie Johann Meyer um 1900

Der niederdeutsche Dichter und Pädagoge Johann Hinrich Otto Meyer (* 5. Januar 1829 in Wilster; † 15. Oktober 1904 in Kiel) verfassten in Hochdeutsch und Plattdeutsch episch-beschreibende Gedichte wie „Kiel“ und lyrische wie „Kiel – Eine Frühlingshymne“, „Kiel, im Schmuck‘ der grünen Borden“, „Frau Kilia am Ostseestrand“ und „Die Kanalfee“ sowie zur Einweihung des neuen Universitätskollegiengebäudes am 24. und 25. Oktober 1876 die Gedichte „Alma mater“ und „Ad hospitem“.
Weiter schrieb er hoch- und plattdeutsche Bühnenstücke, Märchen und Rätsel sowie den „Plattdeutschen Hebel“, eine Übersetzung von Gedichte von Johann Peter Hebel (1760 – 1826).

Johann Meyer studierte von 1854 bis 1857 Theologie an der Christian-Albrechts-Universität.
Neben seiner …Lieblingsbeschäftigung, dem poetischen Schaffen … (Johann Heinemann in: Johann Meyer Kiel 1906, S. VI) unterrichtete er auch ein knappes Jahr (um 1858) an einer Altonaer Lehranstalt „… und er fühlte sich glücklich und zufrieden in dem Berufe eines Pädagogen.“ (Johann Heinemann, ebd.). Nach einem Aufenthalt in Itzehoe, wo er für das „Wochenblatt“ (Itzehoer Nachrichten) arbeitete, wohnte er ein halbes Jahr im Hause seiner Eltern in Schleswig und siedelte dann nach dem „Musensitze Kiel“ um. Bis zu seinem Tod wohnte er in seinem „Dichterheim“ am Rondeel.

Vermutlich hatte Johann Meyer in Schleswig die „Stender’sche Anstalt“ kennen gelernt.
1862 gründete er „…,einem Herzensdrange folgend,…“ (Johann Heinemann, ebd.) die psychiatrische und pädagogische Einrichtung „Idioten-Anstalt“ für Besserung und Pflege (so im damaligen Sprachgebrauch), die er bis kurz vor seinem Tode als Direktor leitete. Diese befand sich am Rondeel, in der Lübecker Chaussee 1 (heute: Alte Lübecker Chaussee), unmittelbar gegenüber der Einmündung der nach ihm benannte Johann-Meyer-Straße.
Die „Idioten-Anstalt“ nahm Kinder mit Lern- und geistige Behinderungen (im damaligen Sprachgebrauch „Schwach- und Blödsinnige“) aus Holstein auf, die man für nicht unterrichts- und bildungsfähig hielt (das damalige medizinische Fachwort „Idiotismus“, heute u. a. Intelligenzminderung genannt).
In der privaten Einrichtung waren um 50 Kinder (1873) und 14 Angestellten, darunter ein Arzt (1873: Sanitäts-Rath Physikus Dr. Joens) und drei Lehrer. Beaufsichtigende Behörden waren das Kreisphysikat und das Stadtschulcollegium Kiel (Heinrich Laehr, Die Idioten-Anstalten Deutschlands und der benachbarten deutschen Länder, Verlag Gg. Reimer Berlin 1874, S. 16 f.. S. a. Gustav Brandes, Der Idiotismus und die Idiotenanstalten mit besonderer Rücksicht auf die Verhältnisse im Königreiche Hannover, Verlag Rümpler Hannover 1862; Aus deutschen Idiotenanstalten aus: Ernst Ziel (Hrsg.), Die Gartenlaube, Heft 35, S. 582–583).
Auch wenn heute das Wort „Idioten-Anstalt“ negativ besetzt ist, kann man der Einrichtung von Johann Meyer historisch als Vorläufer der Hilfs- und Förderschulen und heutigen Förderzentren mit integrativen Maßnahmen für Menschen mit Behinderung, sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Kiel sehen.

Kiel Wiki – Johann MeyerJohann Meyer im Projekt Gutenberg-DE

Quelle: Johann Meyers Sämtliche Werke. Band 1, Lipsius & Tischer Kiel 1906 Online-Version Internet Archiv


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Gedichte und Geschichte (Johann Meyer)

Über den Dichter und Pädagogen Johann Meyer und seine Kieler Gedichte / About the poet and pedagogue Johann Meyer and his Kiel poems

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