Steinskulptur von Fritz During, aufgenommen 1967 von Friedrich Magnussen
Steinskulptur von Fritz During, aufgenommen 1967 von Friedrich Magnussen

Am 25. Oktober 1953 wurde in der Holstenstraße am ehemaligen Runden Platz, heute Berliner Platz, in Kiel-Vorstadt das Kriegsgefangenenmahnmal von Fritz During eingeweiht.

Aus den Kieler Erinnerungstage:

Das Denkmal bestand aus einer vier Meter hohen Stele, die der Bildhauer Fritz During geschaffen hatte. Mit nur wenigen angedeuteten Linien hatte der Künstler Arme und Köpfe zweier Menschen herausgearbeitet. Die beiden Köpfe berühren, die Arme umschließen einander. Dafür gibt es verschiedene Interpretationen. Die einen sehen darin die Form von Mutter und Sohn versinnbildlicht, andere zwei trauernde Frauen. …

Die Inschrift des Mahnmal lautete: „Gebt unsere Gefangenen frei. 72 Bürger der Stadt sind aus Kriegsgefangenschaft und Haft noch nicht heimgekehrt.“ Die Anregung zu dieser Inschrift … kam von Oberbürgermeister Andreas Gayk. 

Anlass für das Aufstellen eines Kriegsgefangenenmahnmals war die Tatsache, dass es immer noch deutsche Kriegsgefangene aus dem Zweiten Weltkrieg gab. … Die Angehörigen hofften noch immer auf ihre Rückkehr.
In der breiten Öffentlichkeit verblasste allerdings die Kriegsgefangenenfrage, …

Bei der Einweihung des Denkmals hatte Stadtpräsident Schmidt erklärt, dass es nach der Rückkehr auch der letzten Gefangenen zu entfernen sei, denn dann habe es seine Aufgabe erfüllt.

Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer erreichte bei seinem Moskaubesuch im September 1955 durch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Sowjetunion, dass die letzten Kriegs- und Zivilgefangenen frei kamen. Damit hätte das Mahnmal am Berliner Platz entfernt werden können. Aber der Magistrat der Stadt entschied, das „Heimkehrer-Ehrenmal am Berliner Platz“, wie es jetzt genannt wurde, stehen zu lassen. 

Doch in den folgenden Jahren wurde öfter der Ruf laut, das Denkmal zu entfernen. Schüler meinten, ausländische Besucher könnten Anstoß daran nehmen. 1966 stellte der Stadtrat Lindemann jedoch fest, unter der Inschrift „Gebt unsere Gefangenen frei“ müsse man „auch die in der sowjetische besetzten Zone widerrechtlich Inhaftierten“ verstehen. Der Kulturreferent Dr. Arp schloss sich dieser Auffassung an. Anlässlich der olympischen Segelwettbewerbe in Kiel erweiterte er seine Interpretation: „Es gibt in der ganzen Welt Gefangene, die widerrechtlich festgehalten werden. Wir meinen, dass das Mahnmal in dieser Bedeutung noch seine Berechtigung hat.“ Der Inschrift auf der Stele war diese Deutung allerdings nicht zu entnehmen.

1985 kam das Mahnmal erneut in die Diskussion. Fehlende Buchstaben in der Inschrift und Beschmierungen durch Extremisten hatten die Stele verunstaltet. Der Magistrat beschloss, um den zeitlichen Bezug herzustellen, den Zusatz „Errichtet 1953“ anzubringen. So lautete die Inschrift nun: „Gebt unsere Gefangenen frei. Errichtet 1953“.

Als 1992 die Baustelle für den Neubau des Kaufhauses Woolworth eingerichtet wurde, sollte das Mahnmal an einen sicheren Platz gestellt werden. Wegen der Größe und des Gewichts konnte dies nur durch einen Kran erreicht werden. Da weder Zeichnungen noch Konstruktionspläne des Mahnmals existierten, misslang die Umsetzung. Es zerbrach in mehrere Teile. 

Heute befinden sich die Trümmer, einige große Blöcke mit herausragenden Stahlträgern, im Bauhof am Grasweg.

Christa Geckeler

Quelle: Erinnerungstag : Das Kriegsgefangenenmahnmal in der Holstenstraße | Kieler Stadtarchiv

Wikimedia Commons – Kategorie: Kriegsgefangenenmahnmal (Kiel)

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