Ellerbeker Rundschlag (s. u.) durch die Geschichte von Kiel: Kieler Volksmund, Jargon und Idiome der Kieler mit seltsamen Namen, umgangssprachlichen und amtlichen Benennungen im geschichtlichen Wandel und für Nicht-Kieler ungewöhnliche Bezeichnungen (Tourist auf dem Alten Markt fragt: „Wo geht es zur Altstadt?“).

Manchmal kennen nur noch die Älteren sie (Klagemauer? Gängeviertel?); manchmal überdauern sie die Zeit (Stinkviertel); und manchmal werden sie amtlich (Schröpfecke, Beamtenlaufbahn, Geistkämpfer).

Quellen (abgesehen von mir) unter anderen → Kieler Straßenlexikon   → Kiel Wiki ​ → Kieler Erinnerungstage  → Kieler KulturSpuren

Das Adelspalais Warleberger Hof (1616) in Kiel-Altstadt

Altstadt

Kiel wurde zwischen 1233 und 1242 von Graf Adolf IV. von Holstein auf einer zirka 18 Hektar großen ehemaligen Halbinsel gegründet – jetzt die Altstadt.
„Civitas Holsatorum“ oder auch „Civitas Holsatiae“ sollte die neue Stadt heißen. Doch das lateinische „Stadt der Holsten“ wollte den Kieler der neu begonnenen Siedlung nicht so recht über die Lippen. Sie nannten sie nach der Stadtwerdung wie man die Gegend immer schon bezeichnet hat: tom kyle, am Keil (des Meeres) – das stand für „an der Förde“.
Der Tom war bald vergessen (außer man erinnert sich an den Butter(fahrt)dampfer „Tom Kyle“ (s. u.). 
1652 fand sich auf einer Karte schon der neue Name „Kiell“. Daraus wurde 
Kiel.
Der Schiffs“kiel“ hat sprachlich dieselbe Wurzel, er beschreibt auch den ja ursprünglich immer keilförmig zulaufenden unteren Teil eines Schiffes oder Bootes. Übrigens [1][2]
Die Gebäude der Altstadt wurden fast alle im Zweiten Weltkrieg zerstört. 
Die vier ältesten Gebäude Kiels – zumindest Teile davon –  in der Altstadt: Adelspalais Warleberger Hof (1616, heute Stadtmuseum), Rantzaubau (1695, Westflügel des Kieler Schlosses, s. u.), Nikolaikirche und Kieler Kloster (Baubeginn um 1242)

Bootshafen

Alter Bootshafen

Ein Hafen ohne Boote: der Alte Bootshafen – heute und amtlich nur der Bootshafen an der Grenze Altstadt und Vorstadt (s. u.)  
Im Jahre 1846 wurde zwischen dem heutigen Bootshafen und der Kieler Förde ein Damm für den Hafenbetrieb gebaut, der anfangs mit einer Klappbrücke und später mit einer Drehbrücke ausgestattet war. Seitdem konnten nur noch kleinere Schiffe in diesen Bereich hineinfahren und anlegen, so dass sich der Begriff (Alter) Bootshafen etablierte, schließlich sind Boote anderswo im Kieler Hafen zu sehen.
1904 wurde der Bootshafen dann vom Kleinen Kiel abgetrennt, als die Verbindung nach Abriss der Holstenbrücke (s. u.) zugeschüttet und durch ein Rohr ersetzt wurde.
Damit erhielt der Bootshafen seine heutige dreieckige Form.

Alter Markt

Alter Markt

in der Altstadt war von 1242 bis 1987 (amtlich) nur Markt. Aber schon vor dem Ersten Weltkrieg sagen vieler Kieler Alter Markt, denn am Kleinen Kiel in der Vorstadt war dort, wo später der Rathausplatz entstand, der Neumarkt (amtlich ab 1869; 1933 umbenannt in „Adolf-Hitler-Platz“, 1945 Umbenennung in „Rathausplatz“) und 1902 wurde der ursprünglich auf dem Alten Markt stattfindende größte Wochenmarkt Kiels auf dem (größeren) Exer(zierplatz) verlegt. Seit 1907 ist regelmäßig ein Wochenmarkt auch auf dem Blücher(platz).
1987 wurde der Markt amtlich in „Alter Markt“ mit seinen 70er-Jahren-Bauten umbenannt, weil die Kieler das schon lange sagten und weil kein Markt auf dem Markt(platz) stattfand – die Besucher Kiels erwarten durch diese Bezeichnung allerdings etwas anderes.
Übrigens …[3]

Altes Neues Rathaus

Altes Rathaus

stand südöstlich am (Alten) Markt, bis es 1911 vom Neuen Rathaus (sagen die Kieler damals) in der Vorstadt abgelöst wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Alte Rathaus durch die Bomben zerstört.

Reliefteil des Alten Rathauses, Alter Markt

Daraufhin gewohnten sich die Kieler an, das Neue Rathaus nur noch Rathaus zu nennen.
Weil die Stadtverwaltung mehr Platz brauchte, hat Kiel jetzt ein zusätzliches Neues Rathaus (2008, amtlich) und das ehemalige Neue Rathaus ist jetzt das Alte Rathaus (nicht amtlich Bezeichnung der Kieler und Nicht-Kieler).
Und die Stadt plant ein neueres Neues Rathaus (Stand 2018) in dem ehemaligen neuen Landeszentralbank-Gebäude in der Hopfenstraße. Übrigens …
[4]

Amöbe

Studentenjargon für den Neubau des Zentrums für Molekulare Biowissenschaften der CAU (s. u.)

Anschar-Krankenhazs, Kiel-Wik

Anscharpark

für das parkähnliches Areal des Marine- und Garnisonslazaretts und spätere Anschar-Krankenhaus (teils abgerissen, teils denkmalgeschützt), heute daher amtlich die Straße „Im Anscharpark“

Arbeitsamt Wilhelmplatz

 an der Sternstraße wurde 1928-1930 von Willy Hahn und Rudolf Schroeder erbaut. Als modernstes Arbeitsamt seiner Zeit, beeinflusst von der  Bauhaus-Architektur, öffnete es am 15. März 1930. Die heutige Agentur für Arbeit Kiel zog in den 1990er in ihr neues Gebäude an der Adolf-Westphal-Straße. Das alte Arbeitsamt wurde umbenannt in Stephan-Heinzel-Haus nach dem führender Sozialdemokrat Stephan Heinzel (* 1841; † 1899 in Kiel) und es beherbergt Sozialen Dienste der Stadt Kiel.
Warum soll Stephan Heinzel nicht mal auf dem alten Wilhelm stehen? Übrigens …[5]

Beamtenlaufbahn

Volkstümliche Bezeichnung für die kürzeste Verbindung zwischen der Blume (Polizeipräsidium Blumenstraße, Kiel-Damperhof) und dem Neuen (jetzt alten) Rathaus (Kiel-Vorstadt); Fußweg offiziell seit 1961

Uni-Hochhaus

Blauer Albrecht / Blauer Christian

Studentenjargon für das Uni-Hochhaus, das Verwaltungshochhaus der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel von der Architektin Ellen Krotz.

die Blume

Kiel-Rotwelsch für die nach der Falckwache (Falckstraße in der Altstadt) berüchtighmteste Polizeiwache mit der Kriminalpolizei, das ehemalige Polizeipräsidium in der Blumenstraße in Kiel-Damperhof (s.o. Beamtenlaufbahn), aber auch der Name eines ehemaligen Drogenumschlagplatzes

Museumbrücke

Brausebude

Der Name „Brausebude“ ist so überliefert: Da es keine Alkoholkonzession gab, wurde am Fähranleger seinerzeit Limonade ausgeschenkt, um den Alkoholkonsum insbesondere unter den Werftarbeitern zu reduzieren

(Quelle: Auf historischem Grund: Seegarten und Museumsbrücke)

Jetzt auf der Museumsbrücke in der Altstadt.

Bullenkloster

Im Sprachgebrauch der Kieler Wohngebäude an der Ecke Hamburger Chaussee / Theodor-Heuss-Ring (Waldwiesenkreuz),die ursprünglich ausschließlich für die Unterbringung von männlichen Polizeischüler und Studenten konzipiert waren. 

Butterfahrt Langeland

Butterfahrt

Bezeichnung einer Einkaufsfahrt auf einem Ausflugsschiff (Butterdampfer, s.u.) oder Fähre, die von etwa 1953 bis 1999 in Kiel und anderswo angeboten wurde und über die auf See gelegene Zollgrenze von Deutschland hinausführte.
Am bekannteste in Kiel: die Fähre „Langeland III“ (ab 1965 Kiel – Bagenkop auf Langeland) und die Ausflugs- und Butterdampfer  „Tom Kyle“ (ab 1969; 1959 als „Orange Moon“ gebaut) und „Andreas-Gayk“ (ab 1970).

Audimax

CAP der CAU

Wenn die CAU – die Kieler Uni Christian-Albrechts-Universität zu Kiel – von CAP spricht, dann meint sie nicht das (Achtung: Marketing!) „Erlebnis“ zentrum CAP an der Kaistraße, sondern den Christian-Albrechts-Platz.
Nachdem am 27. November 1945 November 1945 die CAU in der ELAC wiedereröffnet wurde und bald zu klein war, wurde der CAP mit der Brunnenanlage und dem Audimax (beides von Wilhelm Neveling entworfen) als Campus-Zentrum in den 1960er gebaut.

CAU in der ELAC

Statt Übrigens ... ein Exkurs

CAU in der ELAC

Noch eine Abbreviatur (da hier die CAU Thema ist sowie alte Kielerischer Uniernehmen – s. u. auch die Werft HDW):
Die ELAC, die  Electroacustic GmbH, ist ein 1926 gegründetes Kieler Unternehmen, das aus dem Unternehmen Neufeldt & Kuhnke, Kiel (Gründung 1899, Umbennung 1936 in (Vorsicht Abk.!) HagenukHanseatische Apparatebaugesellschaft Neufeldt und  Kuhnke) entstand. Wie auch die Hagenuk belieferte die ELAC das Militär, vorwiegend Echolotanlagen für Schiffe und Horchgeräte für die Marine. Deshalb erweiterte die ELAC das Werk zwischen 1940 und 1944 am heutigen Westring.
Statt eine Sprengung des Werks nach dem Zweiten Weltkrieg zog die CAU in der ELAC ein.
Keine Ahnung, ob Studierenden, die in die Alte Mensa wollen, heute noch sagen, sie gehen in die ELAC. 

ELAC-Häuser in Kronshagen

Die ELAC-Häuser in Kronshagen, die das Unternehmen für die Werkarbeiter und ihre Angehörigen in den 1930er Jahren errichtete, hatten weniger Glück:
die Gemeinde hat 2018 sie abgerissen.

Dampfer

Dampfer

Heute Fördeschiff oder Fähre. Nach Ansicht von vieler Kieler fahren Fähren nicht zum Ostufer (s. u., Ausnahme: die Gaardener Hin-und-Her-Fähre), sondern nach Skandinavien (Oslo oder Göteborg, s. u.), Litauen (Klaipeda) oder über den Kanal (s. u.).

 

"Seewind" von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff (1989), Kiel-Vorstadt

Doppelte Büroklammer

für die Plastik „Seewind“ (1989) von dem Berliner Künstler-Ehepaar Brigitte Denninghoff und Martin Matschinsk neben dem Gebäude der ehemaligen Oberpostdirektion (heute: Neues Rathaus, s. o.) in der Vorstadt.

 Bunker Kilian 1978

Ellerbeker Rundschlag

Viele Interpretationen, nicht nur von Nicht-Kieler.
Beim Sport- und Wanderrudern kenne ich (väterlicherseits ein Ellerbeker) als anfangs eigentlich spöttisch-abwertende Bemerkung von Ruderern an diejenigen, die nicht „richtig rudern“:
Neben den Ellerbeker Rundschlag (das Ruderblatt beim Rückholen der Riemen – das Vorholen – nicht flach / horizontal gedreht) auch Krebse fangen (den Riemen zum Rückholen nicht ordentlich aus dem Wasser bekommen).
Der Ellerbeker Rundschlag  soll auf die Ellerbeker Fischer mit ihrer „Rudertechnik“ zurückzuführen sein:
Mit ihren hochbordigen Kähnen (natürlich ohne Rollsitzen) ruderte sie zum Fischen auf der Förde. Dabei ist die Bewegung der Ruderblätter eine Kreisbewegung.
Ich glaube, damals sagen die Ellerbeker Fischer selbst das noch nicht –  außer,  sie waren mit ihren Rudertechnik schneller als die anderen Fischer an der Kieler Förde.
Der Ellerbeker Rundschlag bezieht sich später auf einen Rundumschlag – körperlich mit dem Vorschlaghammer, mit Gabel oder Löffel (Essen reinschaufeln), mit dem Fäusten oder auch verbal.

Felsenhalle

von der Kieler Actien-Brauerei unterirdische Brauerei-Betriebsräume errichtet und das beliebte Ausflugslokal „Felsenhalle“ südlich von Kiel (heute in Kiel an der Moorteichwiese) gebaut. Der achteckiger Turm diente als Hebevorrichtung für die Bierfässer und als Aussichtsturm für Gäste der Gastwirtschaft. Maschinengebäude, Fasslager, Böttcherei und fünf Lagerkeller wurden errichtet und 1872 wurden die Kellergewölbe erweitert. Im Zweiten Weltkrieg diente sie als Luftschutzkeller, die oberirdischen Gebäude wurde teilweise zerstört. Die Villa und der Turm stehen noch (wie lange?) und im Gewölbekeller haben Fledermäuse ihr Quartier (ausnahmsweise kein Viertel, s. u.).

Gängeviertel

Gängeviertel

war ein Stadtviertel in der Vorstadt, das aus einer Vielzahl von eng bebauten Gassen bestand. Es befand sich im Bereich zwischen Walkerdamm und Kleinem Kuhberg und vieler Juden wohnten dort.
Kiel 1932 – Menorah leuchtet weiter
Im Zweiten Weltkrieg wurde es fast vollständig zerstört. und auf seinem nördlichen Teil, zwischen Kleinem und Großem Kuhberg, die Ostseehalle (s. u.) errichtet. Übrigens …[6]

Uni-Kirche

Gebetsabschussrampe

Studentenjargon für die Unikirche (1965, Architekten: Hermann Weidling und Erhart Kettner)

Der "Geistkämpfer" von Ernst Barlach an der Nikolaikirche, Kiel-Altstadt

Geistkämpfer

Kieler Volksmund für die Skulptur von Ernst Barlach in der Altstadt, den Ernst Barlach selbst übernahm.
19. Juni 1954  Geistkämpfer von Ernst Barlach vor der Nikolaikirche enthüllt 

Kieler Fischhalle

Gestrandeter Wal

sagten die Kieler damals und fast 60 Jahre lang für den heute denkmalgeschützten Bau der Kieler Fischhalle in der Altstadt.
Die ehemalige Fischauktionshalle baute 1909 / 1910 der Kieler Baurat und Architekt Georg Pauly. Bisher verkauften die Fischer, vor allem die Ellerbeker Fischfrauen in ihrer Tracht, ihre Ware unter freiem Himmel am Fischleger zwischen der Schumacher- und Flämischen Straße.
Doch die Fischhalle war damals schon zu klein für Fischauktionen. Der versprochene großen Erfolg der neuen repräsentativen Fischhalle mit ihrer eigenwilligen Architektur (wie ein Wal) blieb aus.
Seit 1948 entstand ein neuer Seefischmarkt an der Schwentinemündung. Die Stadt Kiel wollte 1966 die Fischhalle abreißen und (mal raten als Kieler) ein Parkhochhaus baute, da der Passagier- und Güterverkehr am Oslokai (s. u.) und Tagesausflügler erheblich an Umfang zugenommen hatten.
Denkmalschutz sei Dank: das Landesamt für Denkmalpflege protestierte.
Und der Wal schwimmt jetzt wieder seit 1978 als eine der (wenigen?) Sehenswürdigkeiten (s. u.) in Kiel, das
Kieler Schifffahrtsmuseums.

Alte Universitätsbibliothek

Gropius-Bau

besser: die Gropius-Bauten (am besten: Gropius & Schmieden-Bauten) für das Zoologische Museum und die alte Universitätsbibliothek (1881-1884, jetzt die Medizin- und Pharmaziehistorische Sammlung in Kiel-Düsternbrook.
Nein, nicht zu verwechseln mit dem Walter Gropius! Sein Großonkel Martin Gropius und Heino Schmieden bauten sie.

Holstenbrücke

Holstenbrücke

Lange Jahrzehnte ein Ort keine Brücke kriegt eine Brücke:
Auf dem heutigen Übergang der Holstenstraße über die Holstenbrücke stand früher als Haupteingangstor zur Stadt die Holstenbrücke, die die damals offene Wasserverbindung von der Kieler Förde über den Bootshafen (s. o.) in den Kleinen Kiel (s. u.). 1903 / 1904 wurde die Wasserverbindung verrohrt und zwischen Bootshafen und Kleinem Kiel vollständig zugeschüttet.
Der Name blieb, die Brücke nicht.
2019 hat Kiel endlich wieder Holsten„brücke“ durch die Wiederherstellung der offenen Wasserverbindung Betonwasserbecken (Kleiner Kiel-Kanal oder – mein Favorit Holstenfleet) zwischen Bootshafen und Kleinem Kiel.
Wann kommt die Schevenbrücke zurück?

Hafenrundfahrt

die Hörn

Als Hörn oder „die Hörn“ wird die Förde- und Hafenspitze bezeichnet, der südliche Abschluss der Kieler Förde.
Bis Anfang der 1880er reichte die ursprünglich natürliche breitere und längere Bucht bis zum heutigen Schwedendamm, die traditionellen Liegeplätze der Frachtsegler aus Schweden.
1886 bis 1890 wurde der Abraum, der durch die Erweiterung der Dockanlagen der nahen Germaniawerft anfiel, aufgeschüttet. Dadurch erhielt die Hörn die heutige rechteckige Gestalt. Am Ende der Hörn bis dahin, wo heute das neue Arbeitsamt (s. o.) steht, befand sich früher der Kieler Schlachthof (s. u. Kippe und s. u. Klappt-Nix-Brücke). Übrigens …[7]

Ehemaliges Oberlandesgericht in Kiel am Kleinen Kiel, KIel Damperhof. Gebaut im deutschen Renaissancestil von 1890-1894 von dem Architekten Walter Hesse.

Justizpalast

= „Renaissanceschloss“ des ehemaligen Oberlandesgericht am Kleinen Kiel (s. u.), 1890 – 1894 von dem Architekten Walter Hesse.
Bitte nicht zu verwechseln mit dem Kieler Schloss (s. u. Rantzaubau) oder dem Ellerbeker Schloss, einer der Theede-Bauten (= Gerhart-Hauptmann-Schule).

Nord-Ostseekanal

der Kanal

In Kiel sagt man „der Kanal“ und meint den Nord-Ostsee-Kanal, international offiziell der „Kiel-Canal“, aber (Bescheidenheit ist eine Kieler Tugend) ein Kieler sagt es nicht.
Und Kiel hat nur einen Kanal – ich hoffe, dass der Kleiner Kiel-Kanal Holstenfleet heißen wird Update: der Kleiner Kiel-Kanal heißt jetzt offiziell Holstenfleet (s. o. Holstenbrücke).
→ Kieler Nachrichten: Kleiner Kiel-Kanal Klares Votum für den „Holsten-Fleet“

Altes Straßenbahngleis

Katastrophenschleife

sagte der Kieler Volksmund, als es die Straßenbahn noch gab.
Obwohl die obere Brunswiker Straße von keiner Straßenbahnlinie fahrplanmäßig befahren wurde, lagen dort Straßenbahngleise. Dadurch konnten die Straßenbahnlinien 1 und 4 bei Betriebsstörungen zwischen unterer Brunswiker Straße und Berliner Platz oder Dreiecksplatz diese Katastrophenschleife ausweichen und solche Störungen umfahren.
Die Katastrophenschleife ermöglichte auch für die Sonderfahrten des Altbürgermeister Asmus Bremer beim Kieler Umschlag.
Fährt er zukünftig mit der Stadtbahn oder doch mit einer neuen Straßenbahn? Die neue erste Kieler (Pferde)Straßenbahn fährt fuhr am 8. Juli 1881

St.-Heinrich-Kirche

Katholikenwiese

sagen die alten Kieler für die Wiese an der katholische Kirche St. Heinrich zwischen Feldstraße und Forstbaumschule.
1898  Die Forstbaumschule wird öffentlicher Park

Das schönste in

Kiel

… ist die Umgebung (Kieler Spruch).
Sehenswürdigkeiten (s. u.) des „Neapels des Nordens“ (s. u. Marientempel) und Musenberg im Reiseführer „Kiel. Holsteins neuer Parnass“ von Caeso Gramm und Schleswig-Holstein

Kieler Küste

Kieler Küste

Rotlichtviertel im Hafenviertel, direkt dahinter Schlossquartier, Kiel-Altstadt.
Übrigens …[8]

Die Bronzestatue "Kilia" von den Kieler Bildhauer Eduard Lürssen (1890) vor dem Nordelbischen Kirchenamt, Dänische Straße in Kiel-Altstadt

Kilia

Die weibliche Symbolfigur der Stadt Kiel, eine Art Schutzgöttin und die Brunnenfigur von Edward Lürssen für das Hochzeitsgeschenk für Prinz Heinrich und Prinzessin Irene, der nicht mehr vorhandene Kiliabrunnen.
er Name hat nicht zu tun mit dem ukrainischen Ort Kilija (ukrainisch Кілія, russisch Килия, rumänisch Chilia): als Universitätsstadt tut sich Kiel gelehrt mit dem latinisierten Name von Kiel wie auch Ki(e)lius (nicht zu verwechseln mit Marika Kilius) und Kielia. Übrigens .. Kennen Sie den Schneider & Berger-Speicher und das Kaufmann-Hochhaus in Kiel?[9]

U-Boot-Bunker Kilian

Kilian

der U-Boot-Bunkers auf dem Kieler Ostufer (s. u.) als ein eindrucksvolles Mahnmal aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.
Im Jahr 2000 wurden die unter Denkmalschutz stehende Bunkerruinen zugunsten der Erweiterung des Ostuferhafens eingeebnet.
Der Name des U-Boot-Bunkers (eingeweiht 1943) ist wahrscheinlich schon in der Nazi-Zeit bekannt und hat vermutlich nichts zu tun mit dem männlichen Vornamen und dem Familienamen Kilian (lateinisch Chilianus) bzw. dem Namenspatron Heiliger Kilian.

Kippe

für die Hörn (s. o.) sagten die alten Gaardener: sie gingen zu Fuß oder fuhren mit Pferdefuhrwerken um die Kippe nach Kiel, den langen Weg um die Hörn ohne die Klappt-nix-Brücke (s. u.). Einige Zeit hatten sie auch eine Gaardener Hin-und-Her-Fähre (s. o. Dampfer), weil ein Tunnel oder eine Schwebefähren zu teuer war.

Die Arkaden der Holtenauer Straße, die ehemalige Klagemauer. Kiel-Brunswik

Klagemauer und Echo

Durch die hohen Ladenmieten an der Holtenauer Straße (jetzt Arkaden am Dreiecksplatz) gingen vielen Geschäfte in Konkurs, deshalb nannte man in den 1950er und 1960er Jahre die linke Ladenzeile „Klagemauer“ und die baulich symmetrische rechte Ladenzeile „Echo“.

Klappt-Nix-Brücke / Flagge-Brücke

die Hörnbrücke (s. o. die Hörn), eine Dreifeldzugklappbrücke in der Vorstadt, die unter der Leitung von dem Stadtbaurat Otto Flagge gebaut wurde.

Mettenhof

Klein-Manhattan

auch Mettbürger, Manhattan-Hof oder M-Town für Kiel-Mettenhof , die erste Trabantenstadt Kiels mit den Weißen Riese (s. u.).
Der Name Mettenhof stammt vom ehemaligen Meierhof von Hans-Heinrich von Kielmannsegg, Besitzer von Gut Quarnbek, der ihn 1676 nach seiner Frau Metta benannte (Alt-Mettenhof). Neu-Mettenhof wird seit 1965 gebaut und am 26. September 1966 ziehen die ersten Mettbürger Mieter ein.

Blick über den nördlicher Teil des Kleinen Kiels, ein Brackgewässer und Seitenarm der Kieler Förde.

Kleiner Kiel

Der Lütte Kiel ist kein See, sondern ein Seitenarm der Kieler Förde.
Der Name Kiel (Kyl) ist ein niederdeutsches Wort für Keil. Bis 1864 gab es zwei Keile: Die Kieler Förde als Wasser-Keil ins Schleswig-Holsteinische Festland, ein „Großer Kiel“, und von dieser abzweigend den Wasser-Keil südwestlich der Kieler Altstadt, ein „Kleiner Kiel“.
Im Laufe der Zuschüttungen ist die Bedeutung verblasst, der Name jedoch erhalten geblieben. Dere heute durch die nur 20 Meter lange Emil-Lueken-Brücke überbrückte Kleine Kiel lässt vergessen, dass die Ufer hier bis 1889 nur mit dem Boot überwindbare 116 Meter auseinander lagen.
Auf alten Karten wie bei Caeso Gramm wird das Gewässer als (natürlicher) „Stadtgraben“ eingezeichnet, nur das Land oberhalb auch als Kleiner Kiel. Ubrigens …[10]

Studenten-Ehrenmal

Langemarck-Denkmal

Irreführende und (für die Kieler Universität) undankbare, aber populäre Bezeichnung für das Gefallenen-Ehrenmal der CAU im Schlossgarten in Kiel-Düsternbrook.
Übrigens: Exkurs über die Erinnerungskultur in Kiel und der Kieler Universität …[11]

Der Segler

Liegender Holländer

sagen die Kieler für den Segler von Karlheinz Goedtke (1962) an Seegarten in Kiel-Altstadt

Licht wird Objekt

Lohn-Preis-Spirale

für die Plastik „Licht wird Objekt“ vor der Sparkasse am Kleinen Kiel, Kiel-Damperhof.
1. Juli 1796  Gründung der Kieler Spar- und Leihkasse

 

Lohntütenweg

Dort warten die Frauen der Werftarbeiter (s. u. die Werft) auf ihre Männer, um den Wochenlohn vor den „Gefahren“ des Heimweges zu retten.
Der Treppenweg führt von der ehemaligen Howaldtwerft bis zum Dorfteich in Neumühlen-Dietrichsdorf. Seit 1963 offiziell.

Mäuseturm und Langer Lulatsch

… standen am Lotsenhafen an dem Tiessenkai (heute umbenannt in Holtenauer Reede) in Holtenau: der Mäuseturm war ein (nicht hohes) Aufenthaltshäuschen für die Führer der Lotsenversetzboote, der (hohe) Lange Lulatsch, der Lotsenturm (abgerissen 1972).

Marientempel

Marientempel

1805 lebten der dänische Kronprinz Friedrich und seine Frau Marie Sophie Friederike im Kieler Schloss. Er ließ 1807 eine befestigte Kastanienallee, der jetzige Düsternbrook Weg, zwischen der Schlossallee und Kruse sien Koppel anlegen. So wurde das beliebte Ausflugsziel Düsternbrook mit der Stadt verbunden. Übrigens…[12]]
Anfang 1808 erwarb die Stadt Kiel ein Gelände und ließ dort einen englischen Landschaftspark, der Marienhain, anlegen und von dem dänischen Architekten Axel Bundsen einen Pavillon im Stil eines antiken Tempels bauen – den Marientempel.
Bei der Einweihung im August 1808 machte die Stadt die Anlage Marie Sophie Friederike aus Dankbarkeit für die Errichtung der Allee und zur Feier der glücklichen Geburt ihrer Tochter Wilhelmine zum Geschenk.
Mit dem Beginn der preußischen Regierung konnte auch de Öffentlichkeit des Teehaus als Waldwärterhaus mit Ausschank nutzen. Hier stärken sich jetzt die Flaneure, die die Aussicht über die Förde genießen und sie schwärmerisch als „Neapel des Nordens“ bezeichnen.
Die Nationalsozialisten machen aus dem „Marientempel“ 1934 / 1935 das zentrale Ehrenmal der Stadt für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges (s. o. auch das Langemarck-Denkmal)
1807  Vor 200 Jahren entstand der Düsternbrooker Weg

Plastik „Hafen 77“ (1977) von Felix Fehlmann

Matrosenklo

einer der  „111 Orte in Kiel, die gesehen haben muss“ im Reiseführer von Jochen Reiss: die Sehenswürdigkeit (s. u.) „Hafen 77“ (1977) von Felix Fehlmann an der Kiellinie, Kiel-Wik.
In unsere Familiensprache (s. u.) auch der Schiffsfriedhof und Schiffsschrottplatz genannt.

Möllingsruh

Mölling ruht auf der Wackelpuddingwiese

Die östliche Spitze des Kleinen Kiels (s. o.) ließ der Bürgermeister Heinrich Mölling 1869 zuschütten, weil das Gewässer dort versumpft war.
Die Kieler nannten diese „Wackelpuddingwiese“, weil der Boden nach wie vor (bis heute – 2017) feucht war und federte. Später amtlich Möllingsruh, ein Teil des Ratsdienergarten.

 

Mont Klamott

nicht nur in Berlin: Trümmerberg nach dem 2. Weltkrieg, jetzt einer Grünanlage mit kleinem Rodelberg an der Holtenauer Straße / Dreiecksplatz, Kiel-Brunswik

der Norder

1907 als Städtischer Sport- und Spielplatz entstanden, heute multifunktionales städtisches Sport- und Veranstaltungsgelände: das Nordmarksportfeld in Kiel-Ravensberg

Mercator-Hochhaus

Olympia-Hochhaus

für das Mercator-Hochhaus in Kiel-Wik. Das Gebäude des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation Schleswig-Holstein und die Mercatorstraße erinnert an den Kartographen Gerhard Mercator (* 1512; † 1594), der die Weltkarte für Seefahrer und den ersten Atlas herausbrachte.

Gedenktafel für "Onkel" Ludwig Gödecke am Alten Markt

Onkel Ludwig

nannten die Kieler den Ludwig Gödecke (* 6. Januar 1886 in Kiel, † 7. März 1967 in Pinneberg), ein gelernter Schiffbauer, der in den 1920er Jahren Fahrräder am Rathaus bewachte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm er freiwillig von 1946 bis 1967 die Aufgabe des Parkplatzwächters auf dem Alten Markt. Er galt als kauzig, war aber aufgrund seiner Hilfsbereitschaft sehr beliebt und stadtbekannt – ein Original, an das eine Bronzetafel Ecke Küterstraße / Kehdenstraße erinnert.
Kieler Nachrichten „Onkel“ Ludwig Vom Wächter zum Kieler Ehrenbürger

Ostseekai

Oslokai

Norwegenkai

Am 24. April 1961 Einweihung, später in Ostseekai umbenannt, die Fähre (kein Dampfer! s. o.) nach Oslo fährt am Ostufer (s. u.) am Norwegenkai ab.
Nur der Schwedenkai bleibt wie wo er war.

Ostseehalle

Ostseehalle

Baubeginn Dezember 1950, viele Umbauten, ab 2008 (Achtung Werbung!) Sparkasse-Arena Kiel, im April 2020 wurde bekannt (kein Scherz leider), dass die Ostseehalle ab Juni 2020 Wunderino-Arena heißt …
Tip füt Touris: Fragen Sie nach der Ostseehalle, wenn ein (Namens-) Kampf  in der  um die Arena wieder stattfindet.
Übrigens ..[13]

 

Ostufer

Wenn Kieler vom Ostufer sprechen, meinen sie (meistens nur) Gaarden (-Ost), manchmal auch Kiel-Ellerbek, Kiel-Wellingdorf und Neumühlen-Dietrichsdorf. In Zeitschriften werden Stadtteile, die nicht am östlichen Fördeufer liegen (z.B. Kiel-Elmschenhagen), zum Ostufer gezählt.
Für manche Kieler war abfällig (oder ist trotz der Bemühungen u. a. der Stadt?) das Ostufer nur ein Arbeits- und Wohnviertel von (Werft-, Gast-) Arbeitern (s. u. die Werft), das Westufer war für besser verdienende Angestellte und Beamte, Akademikern und Unternehmer „vorbehalten“ …

 

Philosophengang

Der Volksmund hat den Heckenweg zwischen Damperhof und Brunswik so getauft, weil Professoren ihn auf dem Weg zur Uni benutzten; seit 1869 offizieller Name,

Rantzaubau

Rantzaubau

1685 stürzte der ältere, unter Friedrich I. erbaute Westflügel des Kieler Schlosses (s. u. Zigarrenkiste) ein.
Im Auftrag von Friederike Amalie, der Frau Herzog Christian Albrechts, baute der Baumeister Domenico Pelli einen Neubau von 1695 bis 1697 (jetzt einer der älteste Gebäude Kiels).
Eigentlich müsste er Amalien- oder Pelli-Bau heißen, aber obwohl die Grafen von Rantzau nichts mit dem Bau zu tun hatten sagen die Kieler Rantzaubau – vielleicht, um die uradlige schleswig-holsteinische Familie zu würdigen?

 

Schwertträger von Adolf Brütt, Kiel-Vorstadt

Schwertträger

sagt den Kieler Volksmund für den amtlichen Namen „Der Schwertmann“, eine Bronzefigur des nicht mehr vorhandenen Schwertträgerbrunnen von Adolf Brütt auf dem Neumarkt / Rathausplatz (19. Oktober 1912 vor dem Rathaus eingeweiht).
Manche sagen auch der Roland von Kiel, nicht zu verwechseln mit dem Rolandrelief auf der Blume (s. o.). Der Schwertmannträger symbolisiert die Rolandsfigur, auf vielen städtischen Marktplätzen ein gerüsteter, Mantel tragender, barhäuptiger Mann, der ein bloßes Schwert in der Hand hält, und die Marktgerichtsbarkeit verkörpert – doch hier in einer modernen Auffassung.
Die Stadt Kiel mag die moderne und zeitgenössischen Kunst und Architektur (s. Doppelte Büroklammer, Geistkämpfer, Venus von Kilo, Matrosenklo, Alter Markt …).

 

Schröpfecke

Alte Bezeichnung im Volksmund für die Straße am ehemaligen Finanzamt Kiel Süd, Kiel-Südfriedhof; seit 1964 offiziell

Kieler Umland Laboe

Sehenswürdigkeit

Bezeichnung für das Kieler Umland. Alter Witz: Das schönste an Kiel? Die Umgebung (s. o.).

Stadtgut Kieler Hof

Stadtgut sagen der alten Kieler für den Hof Hammer im Südwesten Kiels und nordwestlich von Kiel der (dun­ne­mals bekannte) landwirtschaftliche Anwesen Kieler Hof. Hof Hammer gibt es noch, den Kieler Hof nicht mehr.
Das anfangs nur kleine Anwesen Greverkathe (Gräberkat1e) wurde im Jahr 1607 von dem Kieler Stadtrat gegründet. Ein Holzvogt (laut Heimatfurscher Arthur Gloy de Gräver – der Gräber) sollte im Auftrag der Stadt Kiel den Wald zwischen den Dörfern Wik und Kronshagen beaufsichtigen, damit sich kein Kronshagener und kein Wiker von den Kieler Holzbeständen etwas stibitzt. Der Vogt durfte sich dort ein Kate bauen und einige Pferde und Kühe halten.
Die Greverkathe wurde 1767 in Erbpacht gelegt und die Hofstelle nahm an Umfang und Wert zu. Die wechselnde Besitzer nannten sie unter anderen Wüstenfelde und Katharinenhof. Im Jahr 1849 stellte der Pächter Johann Feldberg den Antrag, das Anwesen umzubenennen, da die negative Bezeichnung Greverkathe als unpassend erscheint. Sein Vorschlag „Kielerhof“ als neuer Namen stimmte der Kieler Rat zu und bei dem blieb es. 
Spätere Besitzer verkauften Grundstücke an die Marine (Schießbahn, Marinefriedhofs, heute Nordfriedhof) und an die Stadt Kiel, u. a. für den Bau des Holsteinplatzes (1911, heute Holsteinstadion) und für die Anlage einer Kleingartenkolonie, deren Name „Kieler Hof“ nur noch an das ehemalige Anwesen erinnert.
1971 wurden die letzten Gebäude des Kieler Stadtgutes abgerissen, um dem Olof-Palme-Damm Platz zu machen.
Nils Hansen: Der „Kieler Hof“ in Kiel – ein landwirtschaftliches Anwesen im städtischen UmfeldKieler Hof

Stinkviertel

Der Name Stinkviertel in Kiel-Ravensberg stammt aus einer Zeit, in der zu einer nahe gelegenen Fabrik der Inhalt der Goldeimer (umgangssprachliche Bezeichnung von Eimer oder Fässer, die man zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Fäkaliensammlung unter Plumpstoiletten) tragen. Dort wurde von 1901 bis 1919  aus Fäkalien versandfähiger Dünger hergestellt. Bis in die 1970er Jahre war das Viertel überwiegend von Arbeiterfamilien bewohnt. Mittlerweile wohnen im Stinkviertel in erster Linie Studierende (also ein Studentenviertel). Übrigens …[12]

Die "Schlummernde" von Richard Engelmann im Schrevenpark, Kiel-Schreventeich

Venus von Ki(e)lo

Die „Schlummernde“ von Richard Engelmann (1911 entstanden, 1926 von der Stadt erworben) früher und jetzt wieder im Schrevenpark, zwischendurch am Kleinen Kiel in Sträucher versteckt – „Sie ist ja nackig!“

Thöl-Haus in Kiel-Vorstadt

Vorstadt

.entstand um 1575 vor der Kieler Stadtmauer, heute in der Innenstadt (City genannt).

Weißer Riese

Weißer Riese

Höchstes Hochhaus Kiels (1968, 25 Stockwerke, ca. 100 m) in Klein-Manhattan (s. o.)

Kieler Werft

die Werft

Kiel hatte viele Werften (z.B. Lindenau-Werft), aber nur eine ist die Werft: Howaldtswerft, kurz HDW.
Howaldts Deutsche Werft wurde Ende 2012 in ThyssenKrupp Marine Systems GmbH (TKMS) umbenannt. Die Unternehmensgeschichte der größten deutschen Werft und größte Arbeitnehmer in Kiel reicht bis zur Gründung der Maschinenfabrik und Eisengießerei Schweffel & Howaldt am 1. Oktober 1838 zurück.
23. Mai 1867  Errichtung einer Marinewerft in Ellerbek
Am 1. Juli 1955 übernahmen die Howaldtswerke die Deutschen Werke – Ein Datum in der Kieler Werftgeschichte
Der längste Streik in der Bundesrepublik begann am 24.Oktober 1956 mit dem Streik der Metallarbeiter in Schleswig-Holstein

Volkspark

Werftpark

Zwischen 1890 und 1892 als Werfterholungspark / Werftpark entstanden, 1936 in Horst-Wessel-Park, 1947 in Volkspark umbenannt.
Aber sehr viele Kieler sagen noch immer Werftpark (z.B. Theater im Werftpark). Andere Kieler sagen, dass der Werftpark in Gaarden ist, der Volkspark in Ellerbek.
Wo ist die Grenze?

 

Weserfahrt

Weserfahrt

Seeleute nennen eine schwierige Fahrrinne im Jadebusen durch das Wattenmeer zur Wesermündung hin „Weserfahrt“. In Kiel als Abkürzungsweg zur Marinestation scherzhaft so genannt. Diese Wegebezeichnung wurde 1927 amtlich.

 

Zigarre / Beiboot

für den Anbau der Ostseehalle (s. o. SparkassenWunderino-Arena ) am Ziegelteich

Historische Landeshalle Schleswig-Holstein

Zigarrenkiste

weniger spöttisch auch Landeskiste genannt: die Historische Landeshalle Schleswig-Holstein, 1965 erbaut als Südflügel des Kieler Schlosses (s. o. Rantzaubau).
19. Juni 1961 Grundsteinlegung für den Wiederaufbau des Kieler Schlosses

Nur Familiensprache (?):

Gefangenes Paar

= Skulptur Adam und Eva von Bjørn Nørgaard an der Hörn (Ernst-Busch-Platz / Germaniahafen in Gaarden-Ost, 1989 bis 1999 vor dem Sophienhof, Kiel-Vorstadt)

 Betriebsgebäude Opernhaus Kiel

Glassarg

sage meine Mutter, als sie das vollständig schwarz verglaste Betriebsgebäude des Opernhauses Kiel (1970 / 1971) sah.
Eröffnung des Stadttheaters am Kleinen Kiel am 01. Oktober 1907
Das prägnante Gebäude des KirchenKAI,  ca. 100 m weiter an der Rathausstraße neben der St. Nikolaus-Kirche, entstand erst 2004 nach einem Entwurf des Kieler Architekten Manfred Nagel und wurde 2006 vom Kieler Beirat für Stadtgestaltung als Bauwerk ausgezeichnet. Der Name Glassarg war schon ergeben,

Hans-Jürgen Breuste, Denkmal "Wik" oder Feuer aus den Kesseln

Kanonen

dachte ich, als ich es sah: Denkmal „Wik“ oder „Feuer aus den Kesseln“ von Hans-Jürgen Breuste (1982) im Ratsdienergarten, Kiel-Altstadt.
4. November 1918  Matrosenaufstand in Kiel: Beginn der deutschen Revolution

Kiel Säule

Litfaßsäule

= Kiel Säule von Erich Hauser (1971) am Kleinen Kiel

 

Übrigens …

[1]  Ein Sammelsurium von Schreibweise der Holstenstadt Kyl, Kyle, Kyel, Kyell und Kiell, latinisiert Chilonium (s. o.).
Apropos Stadtname: Kiel wurde bzw. wird umschrieben (manchmal marketingorientiert-schwärmerisch) als Neapel der Nordens, Musenberg Parnass und Tor zum Norden (in Lübeck und in Flensburg nicht erwähnen!); die heutige Landeshauptstadt war bzw. ist (alphabetisch sortiert) Fahrradstadt, Fördestadt, Hafenstadt (Fährhafen, Kreuzfahrthafen und (Ost)Seehafen, s. auch Marinestadt), Hansestadt (nur kurz), Klimaschutzstadt, Marinestadt (Kriegshafen und Marinehafen), Segelstadt (neudeutsch Sailing City), Universitätsstadt, Werftstadt, … (kann nach Belieben fortgesetzt werden).
Notabene:
Kiel war auch mal eine geteilte Stadt (1865 /1866).

[2] Altstadt [7] die Hörn [10] Kleiner KIel Das Wort „Hörn“ leitet sich ab von Horn (mittelhochdeutsch und althochdeutsch horn, verwandt mit Hirn, aus einer indoeuropäischen Wurzel im Sinn „Oberstes“) = Spitz, Ecke, Winkel. Schwedisch „hörn“ = Ecke (und auch kil=Keil). Geographisch meistens spitz zulaufende / keilförmiges Landformation (Kap Hoorn) oder Geländestück bei Orts- und Straßennamen (Elmshorn, Stadtteil Hörn in Aachen und Horn in Hamburg, in der Kiel-Vorstadt z. B. Fleethörn, die damals noch eine winklige, enge Gasse an der Mündung des Mühlenbachs in dem Kleinen Kiel war.
Aber in Kiel ist alles anders: Die alten Kieler hörten ja die schwedische Sprache dort, wo die Frachtschiffe aus Schweden anlegten. Und die schwedische Sprache kennt ebenso das Wort. Also dachten sich vielleicht die alten Kieler, dass sie das Hafengewässer (kein Land!) nicht schon wieder Kiel nennen (Lütte Kiel hatten sie ja schon), sondern „Hörn“ für die keilförmige Bucht. Einige Historiker wie Wolfgang Laur (Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein 1967 / 1992) denken, dass anfangs nur der innere Teil der Förde – vermutlich also die Hörn – als Namensgeber der Stadt Kiel, der Keil, bezeichnet wurden. Später wurde der Keil die Bezeichnung für die gesamte Förde.

[3]   Vielleicht tauften die Ratsherren 1987 den Markt in Alter Markt auch um, weil man in einer Altstadt fast ohne Altbauten wenigsten der Name „Alter Markt“ daran erinnert?
Oder wollte man durch die Benennung ein Kontrast zu den 1970er-Neubauten von Walter Neveling setzen? Möglicherweise wäre man die Diskussion über den Denkmalschutz der Neubauten aus den Wege gegangen. Pavillon aus einem Markt – okay. Pavillons auf dem Alten Markt – nein!
Interessant finde ich, dass der Architekt Walter Neveling die Pavillons dort errichten ließ, wo früher Gebäude am (Alten) Markt standen wie das Alte Rathaus (s. o.) oder die Persianisches Häuser, die zeugen auch vom selbstbewussten Verhältnis der Bürger zur Kirche: die neue Häuserzeile trennte die Nikolai-Kirche von Marktplatz und benachbartem Rathaus. Groß war der Markt(platz) nie gewesen.
Scheinbar durchzieht der Leerstand wie ein roter Faden die Innenstadt. Geschichtliche Parallelen: Die Persianisches Häuser wurden 1632 bis 1638 als Packhäuser für persische Waren gebaut. Doch sie standen leer, weil die entsandte Kommission keine Handelsverträge abschließen konnten. Die Persianisches Häuser wurden später zu Wohnhäuser umgebaut. S. o. auch die Geschichte des gestrandeten Wals.

[4]   Die Stadt Kiel hatte auch die ehemalige alte Landeszentralbank an der Ecke Fleethörn / Rathausplatz erworben, heute Stadtkasse und Standesamt des Kieler Rathauses.
Mehr Beispiele zu alten und neuen Bezeichnungen gefällig?
Der jetzigen Alte Botanische Garten (auch amtlich) war der vierte Botanische Garten der Uni Kiel (neu eröffnet 1884 in Kiel-Düsternbrook), der fünfte neue Botanische Garten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (1985) liegt in der Leibnizstraße in Ravensberg.
Auch in der Leibnizstraße die neuere Zentralbibliothek (Hauptabteilung) seit 2001. Die Alte Universitätsbibliothek war in dem Gropiusbau an der Ecke Hegewischstraße / Schlossgarten, jetzt die Medizin- und Pharmaziehistorische Sammlung CAU in Kiel-Düsternbrook und die neue Zentralbibliothek Uni Kiel (1966, Hauptabteilung) lag am Westring.

[5]  Die Geschichte des alten Arbeitsamtes und seine alte und neue Funktion rechtfertigt (nach meiner Meinung) die Umbenennung.
Aber der Abschnitt der Sternstraße zwischen Möllingstraße und Kronshagener Weg in Stephan-Heinzel-Straße umbenennen, weil das Stephan-Heinzel-Haus dort steht?
Da liegt noch auch die Sternschule. Wer war denn der Kieler namens Stern?
Heute nur mehr zu erahnen (und durch die Umbenennung wohl gar nicht mehr): die sternförmige Zusammentreffen der Straßen am Wilhelmplatz, nach dem die Sternstraße und nach der Straße die Schule benannt wurde.  Soviel zum Kieler Stern.

[6]  Nie gehört von dem Großen Kuhberg? Wenn man von Hertie Karstadt zum Exer mit dem Rad fährt, der weiß, wie groß steil (für Kieler) der Kuhberg ist. 1980 bezog die Stadt den Großen Kuhberg zwischen Bäckergang und Exerzierplatz in den „Ziegelteich“ ein.

[8]  Kieler Küste  [12] Stinkeviertel  Das Begriff (Stadt-, Wohn-) Viertel ist in Kiel Umgangssprache: man meinte den Stadtteil, in dem man lebte oder, um ein Gebiet unabhängig vom Gebiet eines Stadtteils zu bezeichnen. Früher wurden die Viertel durch seine Bewohner oder durch die anderen Stadtbewohner definiert: Hafenviertel (manchmal meint man die Kieler Küste, das Rotlichtviertel Kiels), Bahnhofsviertel, Studentenviertel, Arbeiterviertel (Gaarden-Ost, Ostufer s. o.), Stinkviertel, Afrikaviertel (Kiel-Neumühlen-Dietrichsdorf), Gängeviertel (s. o.), Marineviertel, Berliner Viertel (Kiel-Russee) Villenviertel (Kiel-Düsternbrook).
Heute benutzen auch die Immobilienunternehmer und Investoren das Wort: z. B. das Maritimes Viertel in Kiel-Wik seit 2013 – nicht zu verwechseln mit den Marineviertel (wie Nicht-Kieler und auch viele Kieler das tun).
Trotz der Verwechslungsgefahr: Geht es nur mir so, dass Immobilienunternehmer und auch (Kieler) Zeitungen statt Viertel häufiger „Quartier“ sagen? Globalisierung? Oder weil sie vielleicht glauben, dass das Wort „Viertel“ negative Assoziationen hat? So gibt es seit 2015 das Schlossquartier, direkt am Hafenviertel – Entschuldigung: Rotlichtquartier (global, Schweizer Deutsch).

[9] Schneider = lateinisch sartorius, Plural sartori: Sartori & Berger-Speicher am Hafen in der Altstadt; Kaufmann, Händler = lateinisch mercator: Mercator-Hochhaus (s. o.) in Kiel-Wik. Neben Latein und Deutsch tun man in Kiel außer Platt auch Missingsch sprechen.
Nochmal übrigens: Dieses Sammelsurium stammt aus der niederdeutschen (Sprach-) Küche. Das sammelsur war ein „saures Gericht aus gesammelten Speiseresten“. Es mag sein, dass im 18. Jahrhundert die armen Kieler Studenten die billige Gemüsemischung ekelhaft fanden Abfällig verpassen sie das kulinarische Gericht die scheingelehrte latinisierende Endung -ium.
Notabene: ich mag nicht das Swattsurium

[11]   Ich weiß nicht, wann ich den Namen „Langemarck-Denkmal“ erstmals gehört oder gelesen habe.
Vermutlich haben die (alten) Kieler das schon kurz nach der Errichtung oder in der Zeit der NS-Diktatur gesagt. Offiziell und amtlich war und ist der Name „Langemarck-Denkmal“ nie gewesen.
Die ersten schriftlichen Belege der Bezeichnung stammen womöglich aus den frühen 1980er und heute findet man das Ehrenmal unter den Namen „Langemarck-Denkmal“ im Internet (siehe z.B. aus Google Maps, nicht jedoch auf den Stadtplan der Landeshauptstadt Kiel).
Vielleicht sagen die Kieler „Langemarck-Denkmal“ für das Ehrenmal, weil das Langemarck-Ufer in der NS-Zeit in der Nähe war (1933 Umbenennung der Wasserallee vom Seeburg zum Wall / Kieler Hafen, 1947 Umbenennung in Strandweg, ab 1969 Teil des Düsternbrooker Weges).
Vielleicht auch, das Teile der Studentenschaft bereits 1928 und in der NS-Zeit Gedenkveranstaltungen – die Langemarck-Feiern – abhielten mit ihrer „Heldenehrung“, „Übernahme … des Erbes der Frontsoldaten“ die „Pflichterfüllung in dem Sinne“ von Langemarck und den „Dienst an einer Idee, die größer ist als wir selbst“.  → Mythos von Langemarck (s. o. auch der Marientempel)
Auch durch die räumliche Entfernung zu dem jetzigen CAU-Campus in Kiel-Ravensberg wissen heute viele Kieler und Nicht-Kieler nicht, dass die Kieler Universität 1931 den Architekten Gustav August Munzer (Laboer Marine-Ehrenmal) beauftragte, das Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg 541 gefallenen Studenten und 17 Dozenten zu bauen.
In der damaligen Zeit war der Mittelpunkt der Kieler Universität am Schlossgarten in Kiel-Düsternbrook: neben der Gropius-Bauten (s. o.) und die Kunsthalle Kiel stand westlich des Ehrenmals das Hauptgebäude der CAU. Im Eingangsbereich des Kollegiengebäudes brachte man 1932 Bronzetafeln mit den Namen der umgekommenen Studenten und Dozenten an (im Zweiten Weltkrieg zerstört).
Und selbst wenn man es weiß/wussten: in der NS-Zeit fand in Kiel der Prozess der Gleichschaltung schnell und ohne größeren Widerstand statt, große Teile der Studentenschaft und des Lehrkörpers sahen sich als Vorreiter in der Umsetzung der NS-Bildungs- und Rassenpolitik und die fatale Rolle der Kieler Universität ist bekannt. Deshalb ist die Bezeichnung „Langemarck-Denkmal“ als „Sinnbild der deutschen Vaterlandsliebe und Einsatzbereitschaft bis zum Tod“ für das Ehrenmal der Universität richtig?
Aber vor der  „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wollten viele Funktionäre und Amtsinhaber der damaligen CAU mit diesem Ehrenmal etwas anderes bezwecken als den Mythos Langemarck zu feiern (im Gegensatz zu vielen Teilen der Studentenschaft):
Das 
ungegenständliche und deutungsoffene Ehrenmal auf einem Sockel (heute für viele nur eine Aussichtsplattform am Skulpturenpark) mit dem fünf im Halbkreis stehenden Sandsteinstelen und jeweils einer Spitze aus Edelstahl wie Bajonette, die an die fünf Kriegsjahren erinnern (→ Kunst@SH – Gustav August Munzer: Studenten-Ehrenmal), sollte nicht die überhöhte Stilisierung als „heldisches“ und „heiliges Opfer“ zeigen, wie es der Mythos von Langemarck verdichtete, sondern das kollektive Gedenken zur „Überwindung des uns zerklüftenden Hasses„.bewusst zu machen. Nicht ein kriegsverherrlichendes Langemarck-Denkmal, sondern auch damals schon eine Art Mahnmal.
→ 
Sven Reiß: Das Kieler „Langemarck-Denkmal“ – Nicht errichtet und doch steinernes Zeugnis

[12]  Kruse sien Koppel: der Bauer Heinrich Wilhelm Kruse schenkte seine Koppel im Jahr 1886 der Stadt Kiel, die daraufhin im Jahr 1900 Krusenkoppel als Park anlegte.

[13] Kiel hatte bereits seit 1925 mit der vom Architekten Ernst Prinz erbauten Nord-Ostsee-Halle in der Gutenbergstraße eine Messe- und Veranstaltungshalle besessen. Die Halle war 1944 durch Bombenangriffe fast vollständig zerstört worden. Für einen Neubau wurde der Architekt Wilhelm Neveling (s. o. Alter Markt) beauftragt. Für die Hallenkonstruktion wurden Teile ausgedienter Flugzeughangars des Fliegerhorstes auf der Insel Sylt wiederverwendet, mit denen der Bau innerhalb kurzer Zeit entstehen konnte.-Durch die zahlreichen Umbauten (z. B. s. o. Beiboot) spürt man es nicht mehr.

Veröffentlicht von Rüdiger Stehn

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